2. Februar 2026
Die weibliche Seite der Parkinson-Krankheit

Parkinson betrifft die Geschlechter nicht gleichermaßen: Es gibt zum Beispiel deutlich mehr männliche als weibliche Parkinson-Betroffene, aber bei Frauen schreitet die Erkrankung schneller voran. Darüber hinaus treten abhängig vom Geschlecht teilweise andere Symptome auf. Es kann zudem sein, dass Männer und Frauen unterschiedlich auf Behandlungen ansprechen. Warum das so ist, können Forschende bislang nur vermuten.1
Welche Unterschiede sind bekannt?
Eine Studie aus Japan2 hält zum Beispiel fest, dass motorische, also die Beweglichkeit betreffende Parkinson-Symptome, bei Frauen später auftreten als bei Männern. Frauen sind dieser Studie zufolge zudem anfälliger für Gleichgewichtsstörungen. Hinsichtlich der Wirkung von Parkinson-Medikamenten halten Forschende3 fest: Frauen haben im Vergleich zu männlichen Patienten bei Parkinson-Therapien ein höheres Risiko für motorische Fluktuationen (Wirkschwankungen). Ein italienisches Forschungsteam4 kommt zusätzlich zu dem Schluss, dass nicht-motorische Symptome wie Depression, Schlafstörungen oder Müdigkeit bei Frauen oft schwerwiegender sind.
Mehr Vermutungen als Fakten
Ein Teil der Antwort, warum Frauen und Männer nicht gleich betroffen sind, könnte laut Forschenden in den Genen liegen. So könnten beispielsweise auch Unterschiede in Immunreaktionen eine Rolle spielen oder in der Fähigkeit des Körpers, beschädigte Nervenzellen zu reparieren. Diskutiert wird auch, dass sich die Geschlechter in den Hirnbereichen unterscheiden, die Bewegungen regulieren und bei der Parkinson-Krankheit eine zentrale Rolle spielen. Eine weitere Überlegung ist, dass das weibliche Geschlechtshormon Östrogen schützend auf das Nervensystem wirkt und das Krankheitsrisiko von Frauen im reproduktiven (gebärfähigen) Lebensalter mindert.5
Geschlechtsspezifische Faktoren beachten
Seit einiger Zeit wächst das Bewusstsein dafür, typisch weibliche Faktoren bei der Auswahl von Parkinson-Medikamenten und bei Dosisanpassungen stärker zu berücksichtigen. Dazu gehört zum Beispiel, dass Frauen im Vergleich zu Männern mehr Körperfett und weniger Muskelmasse haben, ihr Magen langsamer arbeitet und ihre Leber sich für die Verstoffwechslung bestimmter Arzneistoffe mehr Zeit lässt. Oft zeigt sich, dass Frauen häufiger Dyskinesien (Überbeweglichkeit) als Nebenwirkung der Parkinson-Therapie haben3. Die genauen Gründe hierfür sind jedoch weiterhin unklar.
Ebenso blicken mittlerweile einige Forschungsprojekte gezielt auf das weibliche Geschlecht. So befasst sich zum Beispiel Dr. Dr. Katarina Rukavina, Oberärztin am Neurologischen Fachkrankenhaus für Bewegungsstörungen/Parkinson der Kliniken Beelitz-Heilstätten, mit der Rolle des weiblichen Sexualhormons Östrogen und einer Hormontherapie bei Frauen mit der Parkinson-Krankheit. „Einzelne Hinweise aus der bisherigen Literatur legen nahe, dass Patientinnen unter einer entsprechenden Therapie möglicherweise mildere motorische Symptome aufweisen. Die Evidenz ist jedoch insgesamt sehr begrenzt und erlaubt derzeit keine belastbaren Schlussfolgerungen. Weitere methodisch robuste Studien sind erforderlich, um einen potenziellen Zusammenhang zu prüfen und etwaige Effekte einer Östrogentherapie bei Parkinson verlässlich einzuordnen.“
Auch die individuelle Perspektive zählt
Zugleich ist es wichtig, dass Frauen wie Männer ihre Beobachtungen aus dem Alltag in Therapieüberlegungen mit einbringen. Denn letztlich hat jede Parkinson-Erkrankung ihre individuelle Ausprägung. Und Betroffene kennen sich selbst am besten und erleben täglich die Zusammenhänge von Medikamenteneinnahme und Symptomen. Tipps, wie Sie ihren Arztbesuch entsprechend vorbereiten können, finden Sie auf www.parkinson-check.de.
1. Parkinson’s Disease in Women and Men: What’s the Difference. Prof. Fabio Blandini u. Team, Universität Pavia, 2019
https://journals.sagepub.com/doi/10.3233/JPD-191683
2. Gender Differences in Parkinson’s disease. Noriko Nishikawa, Department of Neurology, Juntendo University School of Medicine Tokio, 2024
https://www.jstage.jst.go.jp/article/jsnt/41/3/41_259/_article/-char/en
3. Gender Is the Main Predictor of Wearing-Off and Dyskinesia in Levodopa-Naïve Patients with Parkinson’s Disease. Veröffentlicht in: Movement Disorders CLINICAL PRACTICE 2025. doi: 10.1002/mdc3.70143
4. Sex and Gender Differences in Neurodegenerative Diseases: Challenges for Therapeutic Opportunities. Annalisa Bianco, Ylenia Antonacci, Maria Liguori, National Research Council (CNR), Institute of Biomedical Technologies, Bari, 2022
https://www.mdpi.com/1422-0067/24/7/6354
5. Sex Differenes in Parkinson’s Disease. (Review). Carlo Cattaneo, Javier Pagonbarraga, Klinik Sant Pau, Barcelona, 2024
https://link.springer.com/article/10.1007/s40120-024-00687-6



