28. Juni 2021

Was muss der Neurologe wissen?

Parkinson gilt vornehmlich als Bewegungsstörung, beeinflusst aber auch andere Funktionen des Körpers. Zum Beispiel können der Schlaf, das Denken und die Wahrnehmung beeinträchtigt sein oder es treten Schmerzen auf. Betroffene und Angehörige sollten deshalb im Gespräch mit dem Neurologen alle Beschwerden erwähnen, die ihnen auffallen – auch, wenn sie keinen Zusammenhang mit der Parkinson-Erkrankung vermuten. Je mehr Informationen der Arzt erhält, desto besser kann er die Erkrankung und die Wirksamkeit der Therapie beurteilen.

Über alle Medikamente informieren

Der Neurologe sollte auch wissen, welche weiteren Medikamente sein Patient einnimmt. Gedächtnisprobleme und Konzentrationsschwäche zum Beispiel können durch Parkinson hervorgerufen werden, aber auch eine Nebenwirkung von Medikamenten gegen Harndrang sein. Entsprechend wichtig ist es, dass Betroffene ihren Neurologen über alle Arzneimittel informieren, die andere Ärzte ihnen verschrieben haben und die sie regelmäßig einnehmen. Das hilft dem Neurologen, Beschwerden einzuordnen. Um alle Medikamente im Blick zu haben, bietet sich ein Medikamentenplan an. (Kostenloser Download unter www.parkinson-medikamentenplan.de).

Probleme im Umgang mit der Therapie schildern

Auch Unsicherheiten darüber, ob die aktuelle Therapie gut passt, sollten im Arztgespräch angesprochen werden. Der Neurologe ist der medizinische Experte, aber Betroffene und Angehörige bringen zusätzlich wertvolles Wissen ein: Patienten kennen sich selbst am besten, und ihre Erfahrungen im Alltag mit Parkinson und im Umgang mit ihrer Therapie spielen bei der Entwicklung der optimalen Behandlungsstrategie eine wesentliche Rolle. Kommt jemand zum Beispiel mit dem täglichen Einnahmeschema für die Parkinson-Tabletten nicht gut zurecht, sollte der Arzt das wissen. Er kann dann gemeinsam mit seinem Patienten überlegen, wie es besser klappen könnte. Tut sich jemand mit der Einnahme mehrerer Tabletten am Tag schwer, könne es auch sinnvoll sein, über eine nicht orale Folgetherapie nachzudenken, sagt die Neurologin Claudia Weiland vom Klinikum Hanau. Die Tiefe Hirnstimulation würde die täglich einzunehmenden Medikamente in der Regel auf die Hälfte reduzieren. Auch mit der Apomorphin-Pumpe würde die Tablettenmenge deutlich weniger. Mit der Levodopa-Pumpe würden womöglich sogar sämtliche Tabletten wegfallen.

Frühzeitig Therapieoptionen ansprechen

Unabhängig von eventuellen Problemen ist es ratsam, dass sich Parkinson-Betroffene über Therapiemöglichkeiten bei fortgeschrittenem Parkinson informieren und mit ihrem Arzt dazu besprechen. Es sei wichtig, frühzeitig zu wissen, dass die Therapie mit Fortschreiten der Erkrankung schwieriger wird, aber immer Optionen bestehen, betont Dr. Weiland. Es brauche zwar eine gewisse Offenheit, um sich für eine Medikamentenpumpe oder die Tiefe Hirnstimulation zu entscheiden. Aber es gebe auch viele Möglichkeiten, sich im Vorfeld gut zu informieren.