3. Juni 2015

Die Bedeutung der Ernährung (Teil 2)

Im zweiten Teil unserer dreiteiligen Serie „Ernährung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen“ möchten wir Ihnen einen weiteren Aspekt des Themas vorstellen. Lesen Sie hier, welche Bedeutung der Ernährung bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn zukommt.

Individuell richtige Ernährung

Die meisten Menschen, die mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) leben, wissen intuitiv, was die Ernährung für ihr Wohlbefinden bedeutet. Tatsache ist, dass die Ernährung nicht für den Ausbruch von Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn verantwortlich ist und auch keinen neuen Schub auslösen kann. Die richtige Ernährung kann allerdings den Krankheitsverlauf, gerade während einer akuten Phase, positiv beeinflussen. Und sie liefert einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität. Was aber ist die richtige Ernährung? Wie Sie in Teil 1 unserer Serie bereits lesen konnten, gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort. Daher ist es für jeden Betroffenen wichtig, sich individuell damit zu beschäftigen, was ihm gut bekommt und was nicht. Im Rahmen des Crohn & Colitis-Tages 2014 verfasste PD Dr. Carsten Büning, Chefarzt für Innere Medizin am Krankhaus Waldfriede in Berlin, eine Stellungnahme zum Thema „Bedeutung der Ernährung“, die auch unter www.crohn-colitis-tag.de veröffentlicht wurde.

Gewichtsverlust und Mangelernährung

Ein wichtiger Aspekt der Ernährung bei CED ist der Gewichtserhalt. Vor allem während eines Schubs können Betroffene schnell an Gewicht verlieren. Dann hat es hohe Priorität, einer eventuellen Mangelernährung vorzubeugen. Zu einer Mangelernährung kann es in Folge einer unzureichenden oder falsch zusammengesetzten Ernährung kommen. Bleibt sie unerkannt, kann dies zur Schwächung des Körpers bis hin zur starken körperlichen Beeinträchtigung und der Störung lebenswichtiger Organe führen. Eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen muss also gewährleistet sein. Der Status kann regelmäßig kontrolliert werden. „Verschlechtert sich ein Befund, können Vitamine, Eisen oder Mineralstoffe gut substituiert werden. Bei untergewichtigen Patienten ist außerdem die Gewichtszunahme ein wichtiges Therapieziel“, so Büning. „Es wird angenommen, dass im akuten Schub etwa zwei Drittel der Morbus-Crohn-Betroffenen und etwa ein Drittel der Colitis-ulcerosa-Betroffenen bis zu zehn Prozent ihres Gewichts verlieren.“ Viele Patienten haben keinen Hunger und essen weniger. Dieser Gewichtsverlust kann mit normaler Ernährung allein oft nicht ausgeglichen werden. Um ihn zu kompensieren und die Betroffenen gleichzeitig mit allen lebenswichtigen Nährstoffen zu versorgen, wird häufig sogenannte Astronautennahrung verabreicht. Dabei handelt es sich um hochkalorische Trinknahrung.

Gegenstand zahlreicher Untersuchungen

Die Bedeutung von Ernährung und Umweltfaktoren für Krankheitsverlauf und Therapieerfolg ist bereits seit vielen Jahren Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. „Wir wissen, dass chronisch-entzündliche Darmerkrankungen in Industrieländern häufiger auftreten als in Entwicklungsländern, aber es gibt nur Vermutungen und keine empirisch belegten Nachweise, dass dies auf einen ungesunden Lebenswandel zurückzuführen ist“, sagt Büning. „Zum Beispiel sollen Fast Food, Alkohol oder Stress negative Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben und bei vielen Patienten stimmt das auch, aber nicht bei allen.“ Für die Therapie ist es daher von großer Bedeutung, jeden Betroffenen mit seinen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten individuell zu betrachten und zu behandeln.

Im dritten und letzten Teil unserer Serie erfahren Sie nächsten Monat, was Ernährung für die Lebensqualität bedeutet.

Quellen:

  1. www.crohn-colitis-tag.de