22. Oktober 2015

Essen wie im Urlaub – Mittelmeerdiät schmeckt und tut gut (Teil 6)

Eine mediterrane Ernährungsweise kombiniert Lebensmittel, die reich an entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren sind, mit solchen, die einen geringen Anteil an entzündungsfördernden Omega-6-Fettsäuren haben. Damit kann die Mittelmeerdiät das Entzündungsgeschehen im Körper positiv beeinflussen. Der Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (BDI) und der Berufsverband Deutscher Rheumatologen e.V. (BDRh) empfehlen die mediterrane Ernährung daher als Vorsorgemaßnahme bei unterschiedlichen Erkrankungen, so beispielsweise auch bei Rheuma.

Und auch die Deutsche Rheuma-Liga e.V. verweist bei einer anti-entzündlich wirkenden Ernährungsweise auf die mediterrane Küche. Wissenschaftliche Studien zu den Auswirkungen einer Mittelmeerdiät auf rheumatische Beschwerden gibt es bislang allerdings wenige. Einige ausgewählte Ergebnisse möchten wir Ihnen im sechsten Teil unserer Reihe „Essen wie im Urlaub: Mittelmeerdiät schmeckt und tut gut“ vorstellen.

Auswirkung auf entzündlich-rheumatische Beschwerden

Eine schwedische Studie untersuchte den Einfluss der Mittelmeerdiät auf die Beschwerden einer rheumatoiden Arthritis.1 Dazu wurden zwei Gruppen gegenübergestellt: Eine Versuchsgruppe mit 26 Personen ernährte sich ausschließlich nach den Vorgaben der Mittelmeerdiät, die Kontrollgruppe mit 25 Personen ernährte sich wie gewohnt nach der sogenannten mitteleuropäischen oder westlichen Diät. Die Personen beider Gruppen waren seit mindestens zwei Jahren an einer rheumatoiden Arthritis erkrankt, die zwar durch Medikamente gut kontrolliert, aber noch aktiv war. Im Ergebnis nahm die Entzündungsaktivität unter der Mittelmeerdiät innerhalb von zwölf Wochen ab, funktionelle Kapazität und allgemeine Vitalität steigerten sich. Bei der Kontrollgruppe, die sich weiterhin nach mitteleuropäischen Standards ernährte, konnten keinerlei Veränderungen festgestellt werden.1 Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch eine italienische Studie aus dem Jahr 2009.2 Eine englische Studie aus dem Jahr 2007 nahm den positiven Einfluss der Mittelmeerdiät auf die Beschwerden bei einer rheumatoiden Arthritis als Ausgangspunkt für ihre Forschungen.3 Die Wissenschaftler untersuchten, wie gut sie sich bei der Versuchsgruppe umsetzen lässt und welchen Einfluss sie auf deren Essverhalten hat.

Positiv für Herz und Kreislauf

Wissenschaftlich besser belegt scheint die Auswirkung der Mittelmeerdiät auf kardiovaskuläre Erkrankungen zu sein. Spanische Wissenschaftler untersuchten im Rahmen einer randomisierten Studie über einen Zeitraum von 4,8 Jahren insgesamt 7.447 Personen zwischen 55 und 80 Jahren mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.4 Die Studienteilnehmer wurden per Zufallsprinzip auf drei Gruppen verteilt: Zwei Gruppen sollten sich mediterran ernähren, die dritte Gruppe wurde zu einer fettarmen Diät angehalten. Die Teilnehmer aller drei Gruppen nahmen Medikamente gegen kardiovaskuläre Risikofaktoren, wie Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhten Cholesterinspiegel, ein. Als primärer Endpunkt der Studie galt die Rate schwerer Herz-Kreislauf-Vorfälle, wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte in den einzelnen Gruppen. Nach einer Zwischenauswertung wurde die Studie nach 4,8 Jahren aufgrund der klaren Datenlage abgebrochen: Der Vorteil der beiden Gruppen, die sich gemäß der Mittelmeerdiät ernährten, war offensichtlich. In beiden Gruppen wurde das kardiovaskuläre Risiko im Vergleich zur Kontrollgruppe um etwa 30 Prozent gesenkt. Da Menschen mit entzündlich-rheumatischen Beschwerden ein ohnehin erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen tragen, kommt ihnen die Mittelmeerdiät also in zweifacher Hinsicht zugute: Zum einen dämmt sie Entzündungsprozesse im Körper ein. Zum anderen senkt sie das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen.

1 Sköldstam, L.; Hagfors, L.; Johansson, G.: An experimental study of a Mediterranean diet intervention for patients with rheumatoid arthritis. Ann Rheum Dis, 2003, 62(3):208-14 (www.ncbi.nlm.nih.gov)

2 Sales, C.; Oliviero, F.; Spinella, P.: The mediterranean diet model in inflammatory rheumatic diseases. Reumatismo, 2009, 61(1):10-4 (www.ncbi.nlm)

3 McKellar, G., et al.: A pilot study of a Mediterranean-type diet intervention in female patients with rheumatoid arthritis living in areas of social deprivation in Glasgow. Ann Rheum Dis, 2007, 66(9):1239-43 (www.ncbi.nlm.nih.gov)

4 Ramón, E., et al.: Primary Prevention of Cardiovascular Disease with a Mediterranean Diet. N Engl J Med, 2013, 368:1279–1290 (www.nejm.org)