9. Oktober 2019

Aufrheumen im Beruf: RheumaPreis 2019 verliehen

Bereits zum 11. Mal wurde in diesem Jahr der RheumaPreis für herausragende Lösungen der beruflichen Integration verliehen. Drei Arbeitnehmer mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung wurden jeweils zusammen mit ihren Arbeitnehmern ausgezeichnet. Damit möchten die Initiatoren des RheumaPreises hervorheben, dass die Integration am Arbeitsplatz stets eine gemeinsame Leistung von Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist. Ziel des jeweils mit 3.000 Euro dotierten Preises ist es, zu mehr Offenheit im Umgang mit der Erkrankung zu ermutigen und ein Zeichen dafür zu setzen, dass ein aktives Berufsleben für Menschen mit Rheuma zur Selbstverständlichkeit wird. Auch die diesjährigen Preisträger sind wieder Beispiele dafür, wie gut es gelingen kann, sich mit Rheuma beruflich zu entfalten, und dass ganz unterschiedliche Lösungen dorthin führen. Die Einsendungen für den RheumaPreis werden durch eine unabhängige Jury aus Medizinern, rheumatologischen Fachassistenten, Experten für berufliche Integration, Arbeitsmedizinern und Patientenvertretern bewertet. Das BioPharma-Unternehmen AbbVie ist Mitglied der Initiative RheumaPreis.

Preisträger 2019: Partnerschaftlich, engagiert und offen im Beruf

Petra Ammann: Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht

Vor sieben Jahren wurde bei Petra Ammann rheumatoide Arthritis (RA) diagnostiziert. Schon zuvor litt sie an diffusen Schmerzen, die sich auch auf ihre Arbeit im Mercedes-Benz-Werk Mannheim auswirkten. Doch im Beruf erfährt sie große Unterstützung seitens ihres Arbeitgebers und auch der Kollegen. Als das lange Stehen bei ihrer Arbeit in der Werkskantine nicht mehr möglich ist, kann sie im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) eine Wiedereingliederung im Bereich Verpackung und Verladung wahrnehmen. „Für diese Möglichkeit bin ich dem Unternehmen heute noch dankbar“, betont Petra Ammann. Die Diagnose RA macht ihr erneut Probleme bei der Ausübung ihrer Tätigkeit. Doch wieder gelingt es gemeinsam mit dem Arbeitgeber, eine Lösung zu finden. Ihr Arbeitsplatz wird ergonomisch umgestaltet und auch eine Anpassung der Arbeitszeit ist möglich. „Die Umgestaltung des Arbeitsplatzes von Frau Ammann zeigt, dass wir durch Flexibilität und individuelle Lösungen viel erreichen können, denn unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Basis unseres Erfolgs. Ihre Gesundheit steht für uns an erster Stelle und wir sind bestrebt, gerade auch im ergonomischen Bereich optimal zu unterstützen“, erläutert Karen Henne, die Vorgesetzte von Petra Ammann, Leitung Kompetenzzentrum Gießerei und Zentrallogistik.

Carolin Tödtmann: Trotz Krankheit – lebt eure Träume

Bei Carolin Tödtmann ist es Morbus Bechterew, der ihr beruflich Steine in den Weg legt. Ihr Berufsweg führt sie in die Verwaltung: Im Jobcenter des Kreises Herford ist sie als Verwaltungsfachwirtin tätig. Als sie die Diagnose Morbus Bechterew erhält, hat sie bereits eine lange Odyssee mit Schmerzen und Rückenproblemen hinter sich, die bis zur Arbeitsunfähigkeit führen. Als Morbus Bechterew vermutet wird, ist sie von Anfang an offen zu ihrem Arbeitgeber. Im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) erhält sie einen höhenverstellbaren Schreibtisch sowie einen Telearbeitsplatz. „Ich wurde von Beginn an eng von der BEM-Beauftragten und Schwerbehinderten-Vertrauensperson begleitet. In vertrauensvollem Rahmen wurde gemeinsam überlegt, wie mir der Arbeitgeber helfen kann, und dies an ihn herangetragen. Auch heute noch stehen die beiden jederzeit mit Rat und Tat an meiner Seite“, so die Preisträgerin, die zwischenzeitlich einen gut geplanten Stellenwechsel ins Sozialamt vorgenommen hat. Ein ergonomisch angepasster Arbeitsplatz steht ihr auch dort zur Verfügung. „Wir sehen es als zwingende Aufgabe an, die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben zu fördern und konkret auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen“, sagt Norbert Burmann, Dezernent der Verwaltungsleitung, Kreis Herford.

Jana Schmalisch: Nach einem schlechten Tag kommt auch immer wieder ein guter

Viele Jahre vergehen, bis Jana Schmalisch endlich die Diagnose Morbus Bechterew, erhält. Jahre, in denen auch ihr beruflicher Weg unter den Schmerzen und weiteren Beschwerden leidet. Ihren Beruf in der Gastronomie gibt sie auf. Eine Umschulung zur Kauffrau für Bürokommunikation muss sie zunächst aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Nach der Diagnose und folgenden Therapie kann sie die Umschulung abschließen und absolviert anschließend berufsbegleitend noch ein Fernstudium zur Wirtschaftsfachwirtin. „Ich habe gelernt, mit der Krankheit umzugehen und jeden Augenblick in meinem Leben zu genießen“, so Jana Schmalisch. Inzwischen ist sie als Lehrveranstaltungs- und Prüfungsmanagerin an der Universität Hamburg beschäftigt. Von ihren Vorgesetzten und Kollegen erfährt sie große Unterstützung. Ihr Arbeitsplatz wurde ergonomisch angepasst und sie hat die Möglichkeit, bestimmte Aufgaben im Homeoffice zu erledigen. Tätigkeiten, die ihr wegen der Versteifung ihrer Gelenke schwerfallen, nehmen ihr Kollegen ab. „Durch vertrauensvolle Abstimmung in regelmäßigen Terminen versuchen Jana Schmalisch und ich, ihre gesundheitlichen Entwicklungen im Blick zu behalten und stets einen Aufgabenzuschnitt zu gewährleisten, in dem sie ihre Kompetenzen und Fähigkeiten voll einbringen kann“, berichtet Manuel Schröder, kommissarischer Leiter des Studienbüros Sozialökonomie. „Ich schätze Jana Schmalisch als hoch motivierte Mitarbeiterin, die sich nicht durch ihren, Bechti‘ unterkriegen lässt und sich stets neue Ziele setzt und neuen Herausforderungen stellt.“