16. November 2015

Rheuma bei Kindern und Jugendlichen – Auf Impfschutz achten (Teil 4)

Beim Thema Impfen sind viele Eltern von Kindern mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unsicher. Warum ein umfassender Impfschutz gerade für Kinder mit juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) wichtig ist und was Sie dabei beachten sollten, erfahren Sie im vierten Teil unserer Serie „Rheuma bei Kindern und Jugendlichen“.

Jedes vierte Kind unzureichend geimpft

Im Rahmen des 43. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) merkte Professor Dr. med. Jens Gert Kuipers an, dass jedes vierte Kind mit Rheuma unzureichend geimpft sei. Professor Kuipers ist DGRh-Tagungspräsident und Chefarzt der Klinik für internistische Rheumatologie am Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen. Dabei sind Kinder, die an einer JIA erkrankt sind, häufig anfälliger für Infektionskrankheiten. Ursachen dafür sind zum einen die Grunderkrankung und eventuell bestehende Begleiterkrankungen. Darüber hinaus kann eine immunsuppressive Therapie, also eine Behandlung, die das Immunsystem teilweise unterdrückt, die körpereigene Abwehr zusätzlich schwächen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts rät daher grundsätzlich dazu, betroffene Kinder gemäß der allgemeingültigen Empfehlungen zu impfen. Einen Überblick sowie den aktuellen Impfkalender finden Sie auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts (www.rki.de).

Enge Absprache mit dem Kinderrheumatologen

Der Zeitpunkt der Impfung sollte auf die Krankheitsaktivität und die jeweilige Therapie abgestimmt sein. Vorzugsweise sollte ein Kind dann geimpft werden, wenn die Erkrankung unter Kontrolle ist. Sollte es jedoch aus bestimmten Gründen nicht möglich sein, so lange zu warten, kann der behandelnde Kinderrheumatologe individuell entscheiden. Generell gilt: Totimpfstoffe, also Impfstoffe, die lediglich Komponenten von Erregern oder abgetötete Erreger enthalten, können meist bedenkenlos eingesetzt werden. Bei Lebendimpfstoffen dagegen, die abgeschwächte Erreger enthalten, lautet die offizielle Empfehlung, während einer immunsuppressiven Therapie auf eine Impfung zu verzichten. Solche Impfstoffe werden gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) sowie Windpocken (Varizellen) eingesetzt. Die STIKO spricht sich jedoch ausdrücklich dafür aus, diese Entscheidung bei jedem Patienten individuell in Absprache mit einem Kinderrheumatologen zu treffen. Betroffenen, die in einem Risikogebiet für die durch Zecken übertragene Frühsommermeningitis (FSME) leben oder dorthin reisen möchten, wird zudem eine FSME-Impfung empfohlen. Darüber hinaus sollten Kinder mit JIA auch gegen Grippe (Influenza) geimpft werden. Wie auf dem 43. Kongress der DGRh bekannt wurde, empfiehlt die neue Leitlinie nun außerdem erstmals, Mädchen mit JIA bereits im Alter zwischen 9 und 14 Jahren gegen das humane Papillomavirus zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs zu impfen. Gerade für Kinder mit einer JIA ist es wichtig, auch den Impfschutz im familiären Umfeld aufrechtzuerhalten. Daher sollte der Impfstatus von Eltern und Geschwisterkindern entsprechend überprüft und gegebenenfalls ergänzt werden. Der behandelnde Arzt kann Sie dazu umfassend beraten.

Wie Sie Ihr Kind im Schulalltag unterstützen können, lesen Sie im nächsten Teil unserer Reihe.