23. Oktober 2015

Biologika – Richtige Lagerung für optimale Wirksamkeit (Teil 2)

Aufwendige Entwicklungs- und Herstellungsprozesse sowie der große technologische Aufwand, die der Produktion von Biologika zugrunde liegen, machen sie zu sehr komplexen Arzneimitteln. Um ihre Qualität zu erhalten, ist es besonders wichtig, auf die richtige Lagerung zu achten. Oftmals werden die temperaturempfindlichen Medikamente allerdings nicht den Herstellerempfehlungen gemäß gelagert. Das zeigte eine Studie* von Pharmazeuten und Pharmakoepidemiologen der Universität Utrecht und der Sint Maartenskliniek in Nijmegen am Beispiel von TNF-alpha-Hemmern gegen entzündlich-rheumatische Erkrankungen.

Diese Biologika hemmen den entzündungsfördernden Botenstoff TNF-alpha. Damit verhindern sie die Entstehung von Entzündungen und unterbrechen so den Krankheitsprozess.

Beobachtungsstudie in niederländischen Apotheken

Zwischen zwei und acht Grad Celsius sollten Biologika den Herstellerangaben zufolge aufbewahrt werden. Daran hielten sich nur knapp dreißig Prozent der Studienteilnehmer. Das ist das Ergebnis der Beobachtungsstudie, die von Dezember 2013 bis Januar 2015 in acht niederländischen öffentlichen Apotheken durchgeführt wurde. Dazu wurden die Verpackungen der Biologika mit einem Chip ausgestattet, der konstant die Umgebungstemperatur registrierte. Betroffene, die die Medikamente erhielten, wurden dazu aufgefordert, diese entsprechend den Herstellerangaben zu lagern und anschließend den Chip zur Auswertung wieder in der Apotheke abzugeben.

Nur 28,5 Prozent lagern Medikamente richtig

Insgesamt wurden 1.309 Medikamenten-Pakete an 338 Menschen ausgegeben. Mehr als die Hälfte der Temperatur-Chips (756) wurden wieder zurückgebracht. Ihre Auswertung ergab, dass 28,5 Prozent der beobachteten Personen die Medikamente innerhalb des empfohlenen Temperaturbereichs, ohne eine Abweichung von mehr als zwei Tagen, gelagert hatten. 23,4 Prozent der Studienteilnehmer hatten Medikamentenpackungen für mehr als zwei Stunden eingefroren. Einige wenige (1,8 Prozent) lagerten die Medikamente für mehr als zwei Stunden bei einer Temperatur von über 25 Grad Celsius. Die restlichen 46,3 Prozent setzten die Medikamente länger als zwei Tage Temperaturen von unter zwei oder über acht Grad Celsius aus.

Verminderte Wirksamkeit durch falsche Lagerung

Studienleiter Niels Vlieland vom University Medical Center Utrecht führte an, dass die meisten Patienten die Medikamente weder willent- noch wissentlich falsch lagerten. Oft seien Temperaturschwankungen im Kühlschrank verantwortlich. Die Forscher betonten außerdem, dass die richtige Lagerung der Medikamente unerlässlich für den Erhalt der Qualität der Biologika sei. Die enthaltenen Eiweiße könnten verklumpen, was zu einer unerwünschten Reaktion des Immunsystems und der Bildung von Antikörpern führen könnte. Die klinische Wirksamkeit der Präparate könnte damit vermindert, das Risiko von Nebenwirkungen erhöht werden.

Praktische Hinweise für Betroffene

Mit ein paar einfachen Maßnahmen können Sie diesem Risiko jedoch entgegenwirken. So spielt beispielsweise der richtige Ort im Kühlschrank eine große Rolle für die korrekte Lagerung. Medikamente sollten weder in der Tür noch direkt an der Rückwand platziert werden. Ideal ist die Position über dem Gemüsefach. Ein Kühlschrankthermometer kann Ihnen Auskunft über die vorherrschenden Temperaturen geben. Überprüfen Sie außerdem vor jeder Injektion, ob die Flüssigkeit in Spritze oder Pen klar ist. Sehen Sie bei einer Trübung oder Flockenbildung von der Injektion ab und zeigen Sie das Arzneimittel Ihrem Apotheker. Sollten Sie die Medikamente eine Weile außerhalb des Kühlschranks gelagert haben, rufen Sie am besten beim Hersteller an. Er kann Ihnen mitteilen, ob eine sichere Verwendung weiterhin möglich ist. Einige Hersteller bieten dazu spezielle Serviceprogramme für Betroffene an.

Die richtige Lagerung von Biologika spielt nicht nur zu Hause, sondern auch auf Reisen eine wichtige Rolle. Was Sie unterwegs mit kühlungspflichtigen Arzneimitteln beachten sollten, lesen Sie in der Fortsetzung unseres Artikels.

* Majority of Patients do not Store Their Biological Disease Modifying Antirheumatic Drugs Within Recommended Temperature Range; N.D. Vlieland, H. Gardarsdottir, M.L. Bouvy, A.C. Egberts, B.J. van den Bemt; July 2015