2. November 2018

Therapie der Schuppenflechte damals und heute

Heilen lässt sich Schuppenflechte bislang nicht. Sie kann heute jedoch gut behandelt werden, sodass in vielen Fällen ein weitgehend beschwerdefreies Leben möglich ist. Mit zunehmendem Verständnis für die chronisch-entzündliche Systemerkrankung ist es Schritt für Schritt gelungen, die Behandlung weiterzuentwickeln. Vor etwas mehr als 10 Jahren wurde mit den ersten Biologika eine neue Generation von Medikamenten für die Therapie der Psoriasis zugelassen, die zielgerichtet in den Entzündungsprozess der Erkrankung eingreift und ihn unterbricht. Bis zu diesen und weiteren modernen Therapiemöglichkeiten, mit denen die Schuppenflechte gut kontrolliert werden kann, war es jedoch ein langer Weg.

19. Jahrhundert: Schuppenflechte als eigenständiges Krankheitsbild

Schon der griechische Arzt Hippokrates (ca. 460–370 v. Chr.) erwähnte die Schuppenflechte. Er beschrieb eine schuppende Erkrankung, bei der es sich vermutlich um Psoriasis handelte. Über viele Jahrhunderte wurde Schuppenflechte jedoch nicht von anderen Hauterkrankungen wie z. B. Skabies (Krätze) oder „Aussatz“ (Lepra) unterschieden. Erst im 19. Jahrhundert erfolgte die Abgrenzung als nicht ansteckende chronische Hauterkrankung. Quecksilber, Arsen oder Röntgenstrahlen zählten zu den Behandlungsversuchen in dieser Zeit, die oft starke Nebenwirkungen nach sich zogen. Mit Dithranol wurde 1916 hingegen ein erster Wirkstoff eingeführt, der noch heute Anwendung findet. 1955 erfolgte mit der Kortisontherapie ein weiterer Schritt in der unterstützenden Behandlung der Haut bei Schuppenflechte.

Psoriasis als Systemerkrankung: Beginn der innerlichen Therapie

Erst in den 1960er-Jahren begannen die Forschungen zum Zusammenhang von Psoriasis und dem Immunsystem. Der Krankheitsprozess wurde jetzt immer besser verstanden. Neue Erkenntnisse führten dazu, dass Schuppenflechte nicht länger als reine Hauterkrankung, sondern als Systemerkrankung bewertet wurde, die neben der Haut auch andere Körperbereiche betreffen kann. Damit erfolgte auch ein Wandel bei der Therapie: Es wurde nicht mehr nur äußerlich, sondern auch mit innerlich wirkenden (systemischen) Medikamenten behandelt. 1988 wurden sogenannten Immunsuppressiva zum ersten Mal ausprobiert, also systemische Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken. In den 1990er-Jahren wurde das Behandlungsspektrum mit den Vitamin-D3-Abkömmlingen und Fumarsäure-Präparaten nochmals erweitert.

Biologika bei Psoriasis: Rasante Entwicklung im letzten Jahrzehnt

Durch Grundlagenforschung in den 1980er- und 1990er-Jahren wurde der Zusammenhang von Schuppenflechte und dem Immunsystem immer weiter entschlüsselt. Erkenntnisse zur Rolle bestimmter entzündungsfördernder Botenstoffe – wie das sogenannte TNF – machten es möglich, zielgerichteter in den Entzündungsprozess der Psoriasis einzugreifen. Dieses Wissen war die Basis für die Entwicklung von Biologika zur Behandlung der Schuppenflechte. Vor etwas mehr als 10 Jahren wurde die Therapie mit dieser neuen Generation von systemischen Medikamenten bei Psoriasis eingeführt. Inzwischen stehen mehrere Biologika, also biotechnologisch hergestellte Medikamente, zur Behandlung der Schuppenflechte zur Verfügung. Die Forschung zur Schuppenflechte und Entwicklung neuer Medikamente geht beständig weiter, um die Erkrankung zukünftig noch erfolgreicher behandeln zu können.

Neue Therapieziele können erreicht werden

Für die moderne Psoriasistherapie steht heute ein breites Spektrum von unterschiedlichen äußerlichen und innerlichen Behandlungen zur Verfügung. Es ist möglich, die Therapie individuell nach ihrem Schweregrad sowie den persönlichen Bedürfnissen und Gegebenheiten des einzelnen Patienten auszurichten. Doch nicht nur die Anzahl der Behandlungsmöglichkeiten hat sich geändert, auch die Therapieziele haben sich gewandelt. Neben dem Abheilen der Plaques ist heute auch die Wirkung auf mögliche Begleiterkrankungen und bei Psoriasis-Arthritis auf die Gelenke wichtig.